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Samstag, 18. September 2021

Höhere Technische Bundeslehranstalt Eisenstadt

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Exkursion der Flugtechniker nach Mauthausen

Aus der Geschichte lernen? Hoffentlich!                             

 

Die Schüler der 4BHFT wurden Anfang Dezember nicht nur durch das ehemalige KZ Mauthausen geführt, sondern sie stellten sich vielmehr aktiv einer Auseinandersetzung zu Fragen wie Terror, passiver Akzeptanz und Solidarität – Themen wie sie zu Zeiten schier unendlicher Flüchtlingsströme aus Syrien nicht aktueller sein könnten.

 Seit einigen Jahren hat es sich die Museumspädagogik in Mauthausen zum Ziel gemacht die Gräultaten der damaligen Zeit nicht ausschließlich aus Sicht der Häftlinge zu zeigen. Nun werden auch andere Blickpunkte mit in die Analyse der Geschehnisse einbezogen, was den Besuchern ermöglicht, nicht nur mit Betroffenheit auf das Schicksal der Inhaftierten zu reagieren. Vermittler, die im Laufe der Führung fast genau so viele Fragen an die Besucher richten wie auch selbst beantworten, laden zur notwendigen Beschäftigung mit der Situation der Häftlinge ein. Sie beschränken sich jedoch nicht nur darauf, sondern regen darüber hinaus mit historischen Quellen wie Bildern und Texten dazu an, sich auch damit zu befassen, wie man sich wohl als Zuseher von Fußballspielen im Schatten der rauchenden Krematorien oder als ortsansässiger Bauer, der darüber nachdenkt einen flüchtigen Häftling bei sich aufzunehmen, gefühlt haben muss. Eine Reaktion einer Bäuerin der Umgebung wird beispielhaft erläutert. Sie hat den Mut das unmenschliche Verhalten der KZ Aufseher im Bereich der Todesstiege anzuprangern, gleichzeitig tut sie das aber nur, weil sie mit dieser Unmenschlichkeit einfach nicht konfrontiert werden möchte.

Nach einer Besichtigung der Außenanlagen bilden dann die Gaskammer, der Sezierraum und die Krematorien den Abschluss des Rundganges. Diese Räume wurden teilweise neu gestaltet. Dem kalten Grauen der Öfen wurden Bilder, Gedenktafeln und Erinnerungen an das Leben der Opfer entgegengesetzt.

An den ernsten Gesichtern und ihren Fragen zeigte sich, dass die Schüler der 4BHFT sich sehr wohl auf die Geschichte dieses belasteten Ortes eingelassen haben. „Aus welchen Ländern kamen die Gefangenen?“, „Aus welchem familiären Umfeld kam Hitler?“ „Finden sich Namen von Bekannten und Verwandten unter den Opfern?“ waren nur einige der Gedanken mit denen die Schüler sich beschäftigten.

Vielleicht regt die Konfrontation mit extremen Situationen auch besonders zum Nachdenken an. An einem Ort, an dem Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt waren, schätzt man nichts so sehr wie die eigene Freiheit, die man ansonsten einfach als selbstverständlich hinnimmt. Man wünscht sich vielleicht, die Bevölkerung hätte im dritten Reich mehr Zivilcourage bewiesen und muss sich folgerichtig wohl auch die Frage stellen, wie man sich selbst Menschen gegenüber verhält, die dem Terror zu entfliehen versuchen.

Aus der Geschichte lernen ist zweifellos ein schwieriges Unterfangen, aber die Reaktionen unserer Schüler haben gezeigt, dass es eine große Bereitschaft gibt sich auch mit schwierigen gesellschaftspolitischen Fragen auseinanderzusetzen. Mut und Solidarität haben damit eine echte Chance gegen Angst und Terror – hoffentlich.


Prof. Verena Baumgartner


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